1. Münsterplatz

Wir stehen neben der Nachpflanzung der Gerichtslinde, unter der in frühen Zeiten Recht gesprochen wurde. Aus ihr wurde 1798 ein Freiheitsbaum, mit dem der Anschluss an das revolutionäre Frankreich gefeiert werden sollte. Damit endete symbolisch die Herrschaft des Kurfürsten von Trier. Es endete 1802 auch die Geschichte des Kollegiatstiftes mit seiner Immunität.

Die Stiftskirche St. Martin und St. Severus hatte zwei Vorgängerbauten. Ein erster Bau aus der Zeit des Bischof Modoald (ca.614-645) war dem Heiligen Martin geweiht.
Nach der Überführung der Reliquien des Heiligen Severus aus Italien 952 erhielt die Kirche einen zweiten Titelheiligen.

Die Baugeschichte der heutigen Kirche verstehen wir mit Blick auf das Modell (unten).



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Modell-Bau der Kirche im 13. Jh.
Modell-Bau der Kirche im 13. Jh.

 

Mit der Apsis, noch romanisch, wurde 1225 begonnen, dann baute man bis Ende des 14. Jh. im gotischen Stil auf den Turmbau der romanischen Vorgängerkirche aus dem 11.- 12. Jh. zu.
Wohl aus Geldmangel ließ man ihn stehen. Kurfürst Balduin weihte 1322 die neue, noch nicht vollendete Kirche.

Das Modell (unten) zeigt den Münsterplatz vor Auflösung des Friedhofes auf der Südseite der Kirche.

Modell Münsterplatz
Modell-Münsterplatz

 

Die Tradition der Grablege an dieser Stelle geht bis in die Merowingerzeit zurück. Das zeigen die seit 2008 geborgenen Grabfunde.

Ausgrabung Münsterplatz 2008
Ausgrabung Münsterplatz 2008, Frauengrab

 

Wertvolle Funde Archäologisches Museum Maifeld
Wertvolle Funde im Archäologischen Museum Maifeld, Goldscheibenfibel

 

Wertvolle Funde Archäologisches Museum Maifeld
Wertvolle Funde im Archäologischen Museum Maifeld, Goldfibel

 

Die im 13. Jh. errichtete Peterskirche war, bis zum Brand 1787, auch Pfarrkirche der Stadt. Vor uns blicken wir auf den Petersplatz. Nach Auflassung des dortigen Friedhofes 1823 fanden hier bis in die 1970er Jahre monatlich zwei Schweine-Ferkelmärkte statt.
Zur Linken sehen wir die Außenfront der Propstei mit einem Gebäude aus dem Jahre 1820. In ihm ist das Archäologische Museum mit einer Ausstellung zu den Grabfunden unter dem Münsterplatz eingerichtet. Es folgt der Torbogen mit dem Wappen des Kurfürsten Johann III. von Metzenhausen (1531-1540). Das Wappen zeigt das Trierer Kreuz und die Wolfsangel.
Rechts von unserem Standort befindet sich der "Kirchpütz", ein Ziehbrunnen aus der Zeit vor 1575. Er hat eine Tiefe von 38 m und einen Durchmesser von 3 m.

Von der Vorhalle der Kirche nach links öffnet sich die Immunität zur Stadt.

Vorhalle der Kirche – Paradies, 1918
Vorhalle der Kirche – Paradies, 1918

 

 

Glossar

Gerichtslinde

Neben der Eiche ist die Linde in der Überlieferung als Gerichtsbaum bekannt. Unter solchen Bäumen wurde im Mittelalter Recht gesprochen. In der Regel handelt es sich um sehr alte und markante Bäume. Auf den Stadtansichten von Braun-Hogenberg und Merian (16./17. Jh.) ist der Baum auf dem Münsterplatz zu sehen.

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Kollegiatstift

Das Stift war eine Gemeinschaft von Weltpriestern. Sie gehörten keiner Ordensgemeinschaft an. Die Kanoniker, auch Stiftsherren genannt, besaßen Privatvermögen und legten kein Gelübde ab. Sie konnten jederzeit die Gemeinschaft wieder verlassen. Oft war das Kanonikat ein reiner Ehrentitel oder auch eine weitere Einkommensquelle. Empfehlungen zur Aufnahme kamen in Münstermaifeld vom Erzbischof, vom Papst aber auch vom König.

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Immunität

Im Mittelalter bezeichnet man mit Immunität die Befreiung von Orten, Personen oder Besitzungen von Abgaben, Diensten und Lasten sowie Schutz vor weltlichen Eingriffen. Zur Immunität gehörte auch das Asylrecht, das jeden schützt, der sich in seinen Bereich begibt. Dieses Recht wurde 1791 von dem letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus für Münstermaifeld aufgehoben. Bis dahin durfte ein Missetäter, der einen steinernen Stuhl in der Nähe des Rathauses bei der Michaelskapelle erreichte, von der weltlichen Obrigkeit nicht mehr ergriffen werden.

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Severus

Der Heilige Severus (6. Jh.), nicht zu verwechseln mit dem in Boppard verehrten Severus, im 4. Jh. Bischof von Ravenna,  stammte aus Antrodoco in der heutigen Provinz Rieti. Seine Reliquien wurden von Erzbischof Ruotbert (931-956) zunächst nach Trier und von dort Jahre später über Hatzenport auf das Maifeld gebracht. Die Legende, die ihn begleitete, handelt von der Erweckung eines Toten, der wegen einer Nachlässigkeit des Severus ohne letzte Tröstung starb. Nach der Erweckung gab Severus ihm die Sakramente und konnte ihn so in Frieden sterben lassen. Severus galt im Maifeld als Helfer und Fürsprecher bei Krankheit, Teuerung und Trockenheit.

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Modoald

Er wurde wohl 614 Bischof von Trier. Von Bedeutung war er als Gründer von Klöstern und Priestergemeinschaften. Seit Ende des 9. Jh. wurde er in Trier als Heiliger verehrt. Die erste Nennung einer Kirche St. Martin "in pago Magninse" 633 in einer Urkunde König Dagoberts ist, da die Urkunde wohl um 1100 gefälscht wurde, umstritten. Die Wirksamkeit des Bischofs und die archäologischen Funde vor Ort lassen aber die Verbindung einer St. Martin Kirche mit der Amtszeit Modoalds begründet erscheinen.

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Balduin

Balduin Erzbischof und Kurfürst von Trier (1307-1354). Balduin aus dem Hause Luxemburg, Bruder des deutschen Königs und römischen Kaisers Heinrich VII. (1308-1313) war einer der einflussreichsten Reichsfürsten in der ersten Hälfte des 14. Jh. In seiner Regierungszeit wurde Münstermaifeld ein Vorposten der erzbischöflichen Territorialpolitik. So war die Vollendung des Baues der Stiftskirche auch eine Demonstration der Trierer Präsenz gegenüber dem benachbarten Kurfürstentum Köln. Die Verstärkung der Stadtbefestigung bestätigte die Bedeutung des Amtes Münstermaifeld für die Sicherung der erzbischöflichen Herrschaft. Die Durchsetzung des Landfriedens schütze die städtische Entwicklung gegen Übergriffe des Adels.                                                                                           nach oben


Merowinger

Die mit Chlodwig, der 496 sich zum Christentum bekannte, gesicherte Herrschaft der Merowinger als Könige des Frankenreiches, dauerte bis 751. Eine Urkunde des Merowinger Königs Dagobert von 633 bestätigte dem Bischof Modoald alle Rechte und Güter am Ort der Martinskirche. Obwohl diese Urkunde als Fälschung erwiesen ist, wird die Entstehung von Kirche und Priestergemeinschaft in der Zeit von Bischof Modoald als gesichert angesehen.

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Johann III. von Metzenhausen

Der 1492 in Neef an der Mosel geborene Johann machte eine schnelle Karriere im Trierer Domkapitel. In Rom verhandelte er 1514 die Verteilung der Einnahmen zwischen Trier und Rom aus dem Ablassverkauf. Der Ablass wurde anlässlich der 1512 erfolgten Ausstellung des Heiligen Rockes verkauft. Johann III. hatte in den 10 Jahren als Erzbischof viele Baumaßnahmen in Gang gebracht. Dazu gehört auch der mächtige Bau des Marstalls in der Propstei, der 1914 durch einen Brand zerstört wurde.

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Wolfsangel

Die Wolfsangel hatten die Ritter von Metzenhausen im Familienwappen. Der Wolf galt als eine Bestie und als die rechte Hand des Teufels. Mit der Wolfsangel wurde er gefangen und getötet. Dem Bösen, dem Teufel und seinen Handlangern, trat das Rittergeschlecht entgegen. Dies drückten sie durch die Wolfsangel in ihrem Wappen aus.

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