5. Zweierkerhaus

Erbaut im 13. Jh.

Ein Vikariehaus "St. Johannes
Evangelist und St.Catharina".
1609 Anbau der beiden Erker
an das gotische Doppelhaus.

 

Der Name des Gebäudes geht auf den Anbau der zwei Erker 1609 an das gotische Doppelhaus zurück. Der Hauptbau mit dem Treppengiebel gehört zu dem Doppelhaus aus dem 13. Jh., dessen andere Hälfte das "Gotische Haus" ist. Das Zweierkerhaus war ein Stiftsherrenhaus und wurde nach der Säkularisierung 1802 aus französischem Staatsbesitz in Privatbesitz verkauft.

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Wir stehen vor dem rechten Flügel eines Doppelhauses, dem "Zweierkerhaus".

Zweierkerhaus
Zweierkerhaus

Der linke Flügel ist das "Gotische Haus". Der Anbau des Hauses, der dem Gebäude den Namen gegeben hat, ist von 1609. Seit dem 19. Jh. fanden sich Maler, Zeichner, Photographen und wie im Bild unten Kunstgewerbestudenten vor den Fachwerkerkern ein, um das Ensemble von Gotik und Renaissance festzuhalten, zu studieren.

Kunstgewerbeschüler  1907/08
Zweierkerhaus, ein Studienobjekt für Studenten, 1907/08


Die eingehenden Untersuchungen im "Gotischen Haus" haben für das Doppelhaus eine Erbauung im 13. Jh. bestätigt. Wann es zur Teilung des Doppelhauses kam, ist nicht bekannt.

Rekonstruktion des Doppelhauses (Klaus Groß)
Doppelhaus, Rekonstruktion ohne Anbauten


Vikariehaus wird in den Nachweisen nur die rechte Hälfte des Doppelhauses, das Zweierkerhaus, genannt. Die Zuweisung zum Altar "St. Johannes Evangelist und St. Catharina" erfolgte ab 1660, als die beiden bisher getrennten Altäre in der Turmkapelle der Stiftskirche zusammengefasst wurden. Der Altar des Johannes Evangelist war 1323 von Erzbischof Balduin gestiftet worden. Die Stiftung erfolgte in Erinnerung an den kaiserlichen Bruder Heinrich VII. Der Catharinenaltar wurde 1308 zum ersten Mal erwähnt. 1791 musste der Vikar des seit 1660 bestehenden Doppelaltars aus den Stiftungen zwei Jahresmessen, eine monatliche Messe und zwei Wochenmessen halten.

Im Zweierkerhaus lebte von 1739-1788 Johann Mathias Plein aus Mayen, der vorletzte Vikar des Altars "St. Johannes Evangelist und St. Catharina". Nach dem Tod des Plein übernahm der Kanoniker Jacob Zunder das Haus. Johann Jakob Zunder war Kanoniker von 1773-1802.
Nach der Aufhebung des Stiftes erhielt er eine Pension des französischen Staates und engagierte sich im Rat der Stadt für die neuen Herren. Als 1798 die neue französische Verwaltung mit einem Festzug gefeiert wurde, hatte sich die Stiftsgeistlichkeit geschlossen am Festzug beteiligt.

Die meisten der 13 Kanoniker und 8 Vikare erhielten eine Pension aus der französischen Staatskasse. Bei der Ersteigerung ehemaligen Stiftsgutes boten sie erfolgreich mit. Etliche von ihnen stellten sich den neuen Herren auch politisch zur Verfügung. So war der Maire von Münstermaifeld, Jacob Schmitt, ein ehemaliger Stiftsgeistlicher. Er verfügte den Abriss und Verkauf des Kreuzganges. Johann Heinrich Sevenich, Vikar 1792-1802, wirkte als Steuereinnehmer in Mertloch. Der Kanoniker Johann Friedrich Luxem wurde Maire und Postmeister in Polch. Johann Baptist Delfosse, auch ein ehemaliger Vikar, war 1802-1814 Steuerkontrolleur in Münstermaifeld.
Wie die ehemalige Stiftsgeistlichkeit so schien auch die Bevölkerung der Stadt keine großen Probleme mit dem Anschluss an das revolutionäre Frankreich gehabt zu haben. Die Bindungen und Abhängigkeiten des Lebens unter dem erzbischöflichen "Krummstab" lösten sich wie von selbst auf.

 

Glossar

Balduin

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1307-1354). Balduin aus dem Hause Luxemburg, Bruder des deutschen Königs und römischen Kaisers Heinrich VII. (1308-1313) war einer der einflussreichsten Reichsfürsten in der ersten Hälfte des 14. Jh. In seiner Regierungszeit wurde Münstermaifeld ein Vorposten der Territorialpolitik des Trierer Erzbischofs. So war die energische Förderung des Baus der Stiftskirche auch eine Demonstration der Trierer Präsenz gegenüber dem benachbarten Köln. Die Vollendung der Stadtbefestigung bestätigte die Bedeutung des Amtes Münstermaifeld für die Sicherung der erzbischöflichen Herrschaft. Die Durchsetzung des Landfriedens schützte die städtische Entwicklung gegen Übergriffe des Adels.

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Heinrich VII

König und Kaiser (1308-1313). Heinrich VII. war 1310, begleitet von seinem Bruder Balduin, dem Erzbischof von Trier, zu einem Italienzug aufgebrochen. Sein Ziel war die Wiederherstellung der Herrschaft über Reichsitalien und die Kaiserkrönung. Die Kaiserkrönung erreichte er am 29.06.1312 in der Lateranbasilika in Rom. Heinrich VII. erkrankte im folgenden Jahr bei der Belagerung von Siena an Malaria. Er starb am 24.08.1313. Sein Grabmal befindet sich im Dom zu Pisa. Sein Bruder, Erzbischof Balduin, war ein halbes Jahr vorher nach Trier zurückgekehrt.

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Kanoniker

Das Leitungsgremium des Stiftes war das Kapitel, die Versammlung der Kanoniker. Zahlreiche Bedingungen mussten erfüllt sein, um Vollmitglied zu werden. Die Priesterweihe gehörte nicht zu den Voraussetzungen einer Aufnahme in das Kapitel. Die Amtsstellung des Kanonikers wurde Präbende oder Pfründe genannt. Die Zahl der residierenden Kanoniker schwankte zwischen 12 und 16. Nur die Mitglieder des Kapitels konnten Träger besonderer Würde und Verantwortung, wie Dekan oder Scholaster, werden. Empfehlungen zur Aufnahme als Kanoniker kamen vom Erzbischof, vom Papst oder auch vom König.

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Vikar

Die Vikare hatten die Aufgabe, die gestifteten Messen und Jahresgedächtnisse an den ihnen übertragenen Altären zu halten. Ihre Zahl war von der Zahl der Altäre abhängig. Insgesamt sind 27 Altäre nachweisbar. Als 1660 mehrere Altäre zusammengelegt wurden, verringerte sich auch die Zahl der Vikare. In der Verwaltung ihrer Güter und Einkünfte unterstanden die Vikare dem Kapitel.

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