25. Ehemalige Synagoge

Erbaut 1885/86

Am 10. November 1938 gegen
Mittag wurde die Synagoge
in Brand gesetzt, geschändet.
Wieder aufgebaut 1998-2013.



Der 1885/86 errichtete Bau wurde am 10. November 1938 geschändet und in Brand gesteckt. An der Tat beteiligt waren Einheimische und ein Rollkommando aus umliegenden Orten. Prozesse fanden 1950 und 1951 in Koblenz und Mayen statt. Die erstinstanzlichen Verurteilungen wurden auf der Grundlage von Amnestien, verbüßter Inhaftierung und aus dem Zeitgeist zumeist abgemildert oder aufgehoben. Seit 1986 ist die Ruine ein schützenswertes Denkmal. Auf Anregung der Schüler des Kurfürst-Balduin-Gymnasiums entstand eine Initiative zum Wiederaufbau als Mahnmal und Begegnungsstätte. Dem Förderverein "Ehemalige Synagoge Münstermaifeld" gelang es, in 15 Jahren das Projekt abzuschließen.


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Die Bauinschrift oberhalb des Einganges der Synagoge

ehemalige Synagoge nach 2013
Ehemalige Synagoge nach 2013
Inschrift über dem Portal der ehemaligen Synagoge
Inschrift über dem Portal der ehemaligen Synagoge
 
"Kommt lasst uns niederfallen und verehren und niederknien vor dem Ewigen, unserm Schöpfer" erinnert an das Jahr der Einweihung 1886 (6. Vers, 95. Psalm). 
Eine eigenständige Synagogengemeinde gab es seit 1863. Ein neuer Friedhof wurde 1868 bei Mertloch eingeweiht, er löste die alte Begräbnisstätte im Eltzer Wald ab. 

Jüdischer Friedhof in Mertloch
Jüdischer Friedhof bei Mertloch
Jüdischer Friedhof im Eltzer Wald
Jüdischer Friedhof im Eltzer Wald


Am 10. November 1938 fordert der örtliche SA-Führer den Schlossermeister Johann Maur auf, die Synagoge zu öffnen. Als der sich weigerte, wurde das Tor mit Gewalt geöffnet. Das Benzin für die Brandstiftung wurde vor Ort organisiert. Namentlich bekannte SA-Männer in 3 Zivilfahrzeugen ohne Nummernschilder aus Polch, Ochtendung, Obermendig und Niedermendig sollen die Haupttäter gewesen sein. Ein Einsatz der Feuerwehr soll von Bürgermeister Adams verhindert worden sein.
Die folgende Zeugenaussage lässt das Geschehen wieder lebendig werden. St. Wendel, 03.02.1948, Aussage des Pastor Peter Deschang: "Zur Zeit des Synagogenbrandes war ich in Münstermaifeld als Kaplan tätig. An diesem Vormittag befand ich mich mit meinem Motorrad, von einer Filiale kommend, unterwegs nach Münstermaifeld.
Schon als ich auf den Ort zufuhr, sah ich eine Rauchwolke aufsteigen und ich vermutete sofort einen größeren Brand. Kurz entschlossen fuhr ich auf diese Stelle zu. Als ich an den Brandherd kam, bemerkte ich eine größere Zahl Menschen da stehen. Auf die Frage, was dies für ein Bau sei, der da brennt, antwortete mir Herr Stein; das ist die jüdische Synagoge.
Herr Stein stand in meiner Nähe. Ob er Uniform trug, darauf kann ich mich nicht mehr entsinnen. Auch nicht ob noch weitere SA-Leute an der Brandstelle waren. Da sich jedoch niemand zum Löschen einsetzte, vermutete ich sofort Brandstiftung. Ich konnte keine Wahrnehmung machen, die auf die Täter schließen ließ.
Die Frage, die ich vorher stellte, wurde von Stein in barschem Ton beantwortet. In einen weiteren Wortwechsel hat er sich nicht mit mir eingelassen. Ich sah, dass mein persönlicher Einsatz zum Löschen zwecklos sei und brachte in kurzen Worten meine Empörung zum Ausdruck, setze mich auf mein Motorrad und fuhr weg.
Auf die Frage, ob ich mich denn auf Leute entsinnen könnte, die sich dort versammelt hatten, muss ich antworten, dass ich zur damaligen Zeit die Bewohner der Stadt noch nicht kannte. Ich kann mich lediglich auf Stein entsinnen. Inwieweit Stein bei dieser Brandstiftung beteiligt war, entzieht sich meiner Kenntnis.
Auch während meiner späteren Tätigkeit in Münstermaifeld habe ich Namen solcher Männer, die am Brand bzw. der Brandstiftung beteiligt waren, nicht in Erfahrung gebracht. Mir sind keine Benachteiligungen wegen meiner Äußerung der Empörung über den Synagogenbrand entstanden".
Nach dem Pogrom hatte die Gemeinde den Verkauf des Gebäudes angeboten. Dann zog die Stadt ihr Kaufangebot zurück und der Bürgermeister Adams stellte 1942 fest: "Die Angelegenheit ruht vorläufig. Wiedervorlage nach Kriegsende. Auf dem Gelände stehen nur noch die Grundmauern, die des Abrisses bedürfen."

Bild der Synagoge aus dem Jahr 1974
Ehemalige Synagoge im Verfall
Bild der Synagoge aus dem Jahr 1985
Ehemalige Synagoge, 1970

 

Prozesse fanden 1950 und 1951 in Koblenz und Mayen statt. Die erstinstanzlichen Verurteilungen wurden auf der Grundlage von Amnestien, verbüßter Inhaftierung und aus dem Zeitgeist zumeist abgemildert oder ganz aufgehoben. Die Zeugen zeigten sich meist wenig kooperativ.
Seit 1986 ist die Ruine ein schützenswertes Denkmal. Auf Anregung der Schüler des Kurfürst-Balduin-Gymnasiums entstand eine Initiative zum Wiederaufbau als Mahnmal und Begegnungsstätte. Dem Förderverein "Ehemalige Synagoge Münstermaifeld" gelang es ,in 15 Jahren das Projekt abzuschließen.