27. Jüdischer Betsaal

Erwerb des Hauses 1671

Bis 1886 war im ersten Stock
des Hauses der Betraum der
Juden. Um 1900 eröffnete die
jüdische Metzgerei Diewald.


Ein Jude namens "Koppel" konnte 1671 das Haus kaufen. Seitdem hatten die Juden der Stadt bis 1886 in diesem Haus einen Betsaal. Nach 1900 eröffnete David Diewald eine Metzgerei, die von seinem Sohn Moritz bis zum Juli 1937 weitergeführt wurde. Auf Anordnung des Landrates musste er die Metzgerei wegen angeblicher Hygienemängel schließen. Die gesamte Familie Diewald wurde Opfer des Holocaust: Moritz in Dachau, seine Frau Selma in Auschwitz, die Tochter Hilde an unbekanntem Ort, der Schwiegersohn Herbert in Auschwitz, der Sohn Egon starb in Ober-Ramstadt.


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Das Haus, vor dem wir stehen, war seit 1671 in jüdischem Eigentum. Hier befand sich bis 1886 der Betsaal der Juden.

Haus Bornstraße 3
Haus Bornstraße 3, bis 1886 mit jüdischem Betsaal

 

Das Haus, vor dem wir heute stehen, ist das Ergebnis der Umbauten und Erweiterungen des ursprünglichen Gebäudes durch David Diewald (1845-1922), der das Haus 1910 erworben hatte. Nach einer Untersuchung des Landrates von Mayen aus dem Jahre 1846 war in dem alten Gebäude ein 50 m2 großer Raum, der Platz für 60 Männer bot, davor im Flur konnten sich 30 Frauen aufhalten.

Der Betraum in dem Haus Bornstraße 3 ist die erste ortsgenaue Angabe zum Gemeinschaftsleben der Juden in Münstermaifeld. Wir wissen über die Erwähnung in Immobilien-und Kreditgeschäften, dass es 1323 schon eine Synagoge gegeben hatte. Aus dem Jahr 1409 gibt es einen Hinweis auf einen Friedhof. Ein besonders furchtbares, aber auch verlässliches Indiz für eine deutlich frühere Existenz einer jüdischen Gemeinde ist der Nachweis ihrer Vernichtung am 17. Juli 1287 in der Folge der Pogrome des "Guten Werner". Es wurden 90 Männer, Frauen, Kinder, 20 Familien ermordet. Darunter 8 Talmud-Schüler-Schüler. Die große Zahl und die Schüler lassen auf eine Gemeinde mit einem Rabbiner schon im 13. Jh. schließen.

Das Schicksal der Juden in Münstermaifeld folgte dem der jüdischen Gemeinschaft im Erzbistum und Kurfürstentum Trier. Mit Beginn des 15. Jh. beendeten die Landesherren die unkontrolliert verlaufenden Pogrome und übernahmen mit Ausweisungen die Kontrolle und Steuerung möglicher Konflikte. 
Seit dem 17. Jh. begann mit dem Erlass einer ganzen Reihe von Judenordnungen eine neue Phase der landesherrlichen Judenpolitik. 

Judenordnung von 1723
Judenordnung von 1723




Mit ihnen wurde bis zum Ende des 18. Jh. versucht, durch Höchstgrenzen für den Zuzug von Juden und strengen Auflagen für ihre wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten das friedliche Nebeneinander von Christen und Juden zu sichern. 
Mit der Besetzung der Rheinlande durch das revolutionäre Frankreich begann der lange Weg zur rechtlichen und bürgerlichen Gleichstellung der Juden.
Die Familie Diewald, die wir auf dem Foto sehen, hatte diesen Weg bis 1933 im Münstermaifeld erfolgreich gehen können.

Familie Diewald vor der Metzgerei
Familie Moritz Diewald vor ihrer Metzgerei, Ende der 20ger Jahre


Auf dem Foto vom Ende der Zwanziger-Jahre sehen wir im Fenster Moritz Diewald, ermordet in Dachau. In der Eingangstür seine Frau Selma, ermordet in Auschwitz. Vor dem Haus die Tochter Hilde, ermordet an unbekanntem Ort und den Sohn Egon, gestorben in Ober-Ramstadt.
Seit 1936 waren die Diewalds Pressionen gegen die Weiterführung ihres Geschäftes ausgesetzt. So sollte ein Tor den unkontrollierten Zugang zur Metzgerei Diewald verhindern. Im Juli 1937 wurde das Geschäft auf Anordnung des Landrats wegen angeblicher Hygienemängel geschlossen. 


Fversperrter Durchgang
Versperrter Durchgang zur  Metzgerei Diewald

 

Das Ende der Familie Diewald steht hier stellvertretend für das Ende aller jüdischen Familien der Stadt, der Bender, Diewald, Kahn, Kaufmann, Marx, Oster und Wolf.



Glossar

Werner

Werner von Oberwesel oder auch Bacharach (1271-1287) war als Tagelöhner bei Juden angestellt. Sein ungeklärter Tod wurde den Juden als Ritualmord angelastet. In der Folge kam es zu blutigen Judenverfolgungen am Mittelrhein. Die meisten Opfer waren in Münstermaifeld zu beklagen. Werner wurde lange als Volksheiliger verehrt. Erst 1963 wurde sein Name aus dem Heiligenverzeichnis gestrichen.

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Talmud-Schüler

Der Talmud (Lehre) ist das wichtigste jüdische Gesetzbuch. In ihm werden die in der Thora enthaltenen fünf Bücher Moses durch Rabbiner gedeutet und erläutert. Die daraus resultierenden Interpretationen regeln in Form von Gesetzen so gut wie alle praktischen Fragen des Alltags.

 

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