10. St. Joseph-Hospital

Erbaut 1832-1834

Von Lassaulx plante den Bau.
Seit 1846 bis heute werden
die Bewohner von Angehörigen
verschiedener Orden betreut.

 

Der siebenachsige Bau, den von Lassaulx 1832-1834 geplant und gebaut hatte, trat an die Stelle des Heilig-Geist-Spitals. Lassaulx entwarf seine Bauten im Geiste des Klassizismus, unter bevorzugtem Rückgriff auf den Formenbestand der Romanik. Das Hospital in Münstermaifeld steht neben 20 Kirchen und 52 Schulen, die sich mit seinem Namen verbinden. Das Hospital vertraute seit 1846 Ordensangehörigen die Betreuung der Bewohner an. Es begann 1846 mit den Borromäerinnen, ihnen folgten 1925 Franziskanerinnen aus Luxemburg. Seit 2007 haben die Barmherzigen Brüder von Saffig das Haus übernommen.


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Da der Bau des Heilig-Geist-Spital den Ansprüchen nicht mehr genügte, beschloss die Hospital Kommission einen Neubau. Das von dem königlichen Bauinspektor von Lassaulx geplante Gebäude wurde 1834 fertiggestellt. Weiterhin flossen dem Hospital Vermächtnisse und Spenden zu. So hinterließ Franz Georg Severus Weckbecker 1859 in seinem Testament 3000 Taler für die Armen und 5000 Taler für den Hospitalfond.

St. Joseph Hospital, der Lassaulx Bau
St. Joseph Hospital, der Lassaulx Bau

 

Seit 1846 wurde die Betreuung der Bewohner von Ordensangehörigen übernommen. Es begann mit den  Borromäerinnen aus Trier , 1925 folgten die Franziskanerinnen aus Luxemburg. Seit 2007 wird das Haus von den Barmherzigen Brüder von Saffig geleitet. Mit der Aufnahme neuer Betreuungsbereiche, wie 1872 der Einrichtung einer Kinderverwahranstalt, wurden Anbauten zu dem Lassaulx-Bau notwendig.
1979 wurde das Angebot auf ein Alten-und Pflegeheim umgestellt. Umfangreiche Baumaßnahmen waren mit der Übernahme des Hauses durch die Barmherzigen Brüder 2007 verbunden. Die zeitentsprechende Ausweisung ist nun "Seniorenzentrum".

Doch zurück zu den Anfängen. Man begann mit einem Krankenwärter, seiner Frau und einer Küchenmagd. 1848 beherbergte das Haus 4 Hospitalisten und 7 Waisenkinder. Zusätzlich wurden täglich 16 arme Kinder gespeist. Die Situation verbesserte sich mit der Ankunft der 3 Schwestern der Kongregation des heiligen Karl Borromäus. Aus einem Revisionsbericht der Hospitalkommission 1891 geht hervor, dass das damalige Krankenhaus eine Belegung von 1 Geisteskranken, 10 Kranken und 10 Pfründnern hatte. Pfründner waren alte, meist alleinstehende Menschen, die gegen eine Spende, jährliche Zahlung oder aus dem Stiftungsvermögen eine Unterkunft und Pflege erhielten.

Betreut wurden die Hilfsbedürftigen damals von 6 Borromäerinnen. Zur Verfügung standen 9 Krankenzimmer, 2 Schwesternzimmer, 1 Dienstbotenzimmer, 1 Küche und einige Pfründnerzimmer. Dazu kam eine Nähschule und die St. Joseph Kapelle. Heute bietet das Seniorenzentrum Platz für 118 Alte und Pflegebedürftige.
Der Architekt des Gebäudes Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) war in seinem Beruf ein Autodidakt. Er hatte ein Jura- und Medizinstudium abgebrochen und in Koblenz 1804 eine Essigfabrik eröffnet. Er setzte sich dennoch in seinem neuen Beruf durch und wurde 1816 Stadt- und Bezirksbauinspektor in Koblenz. Er arbeitete eng mit Karl Friedrich Schinkel zusammen. Er hat zahlreiche Kirchen, Schulen und andere Profanbauten im Raum Koblenz hinterlassen.

Insgesamt lassen sich ihm 20 Kirchen, zumeist im neoromanischem Stil, und 52 Schulgebäude zuordnen..

Lonnig, St. Jakobus d. Ä., Turm u. Chor 13. Jh.Neoromanischer Anbau 1836
Lonnig, St. Jakobus d. Ä., Turm u. Chor 13. Jh. , neoromanischer Anbau, 1836
Treis Karden, alte Knabenschule, 1834
Treis Karden, alte Knabenschule, 1834

 

Merkmale seiner Gebäude sind z. B. die Verwendung von verschiedenfarbigem, unverputztem Naturstein. Er gilt als einer der wichtigsten Architekten der ersten Hälfte des 19. Jh. in Deutschland.

Glossar

Franz Georg Severus Weckbecker

Er wurde am 2. Juli 1775 in Sevenich geboren. Sein erstes Geld verdiente er mit der Lieferung von Futtermitteln an die Kriegsparteien der Revolutionskriege. Bei der Versteigerung der Domänen durch den französischen Staat nach 1802 war er einer der erfolgreichsten Bieter. Er steigerte nicht nur kirchliche Güter, sondern bot auch für bürgerliche und adelige Immobilien. Nur einmal verließ er den Geschäftsbereich der Spekulation mit Landprodukten und Immobilien. Im Sommer 1852  zeichnete er in einer Gesellschaft zum Bau der linksrheinischen Eisenbahn von Bonn über Koblenz nach Bingerbrück Anteile über 1,5 Millionen Taler. Die Gesellschaft beantragte beim preußischen Handelsministerium eine Konzession, kam aber nicht zum Zuge. Seinen wirtschaftlichen Erfolg verdankt er der französischen Revolution und der Zugehörigkeit der linksrheinischen Rheinlande zu Frankreich. Auch familiär war er mit Frankreich verbunden. Sein Schwager der Hauptmann der Dragoner Henry Joseph Debaisieux wurde 1804 von Napoleon als Ritter der Ehrenlegion ausgezeichnet. Sein Enkel Marie Francois Georges Ulric Stoffels fiel als Unterleutnant 1870 im Kampf gegen Preußen und seine Verbündeten. Er wurde posthum zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Franz Georg Weckbecker starb am 16. März 1862. Er hinterlässt in der Erinnerung der Stadt das Bild eines erfolgreichen Aufsteigers und mit der "Weckbecker Villa" ein gelungenes Beispiel für den klassizistischen Baustil. Die Autobiographie seines ältesten Sohnes Peter Weckbecker stellt uns seinen Vater Franz Georg als einen tatkräftigen, intelligenten Mann vor, dessen Schulbildung mit drei Jahren Winterschule abgeschlossen war. Seinen Lebenszweck fand er in der Vermehrung seines Reichtums. Es waren seine beiden Ehefrauen, die dafür sorgten, dass die 15 seiner 22 Kinder, die das Kindesalter überlebten, eine gute Ausbildung erhielten. So finden wir in den Familien der zahlreichen Nachkommenschaft Lebensläufe, die sich weit vom Vorbild des Vaters entfernten. Für alle aber war der Reichtum des Vaters die Grundlage für eine berufliche Karriere, geschäftlichen Erfolg oder eine statusfördernde Heirat. Die Grabmale seiner Familie erinnern daran, dass er nicht nur im Leben sondern auch über den Tod hinaus  die Maßstäbe seiner Mitbürger verlassen hatte.

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Karl Friedrich Schinkel

Er war als Baumeister, Architekt Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner tätig. 1781 in Neuruppin geboren wurde u. a. Berlin zum Tätigkeitsfeld seiner vielfältigen Talente. Hier starb er auch 1841. Als Leiter der Oberbaudeputation überwachte er alle staatlichen Bauvorhaben im Königreich Preußen. Als Bezirksbauinspektor in Koblenz war Lassaulx ihm unterstellt.

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