32. "Zum wilden Mann"

Erbaut 1639 (?)

Wohn- und Geschäftshaus mit Handwerkerhof,
Hauseigentümer waren:
Tuchmacher, Wirt, Ölmüller, Krämer,
Tabakspinner, Drucker, Buchhändler.

Das Haus, warb als Gasthaus des Jacob Caprano von 1749-1780 mit dem Schild “Zum Wilden Mann“ für sich. Wie es zur Wahl des in unserer Region sonst nicht verwendeten Namens kam, kann nur vermutet werden. Vielleicht nahm Caprano auf ein Detail des Sichtfachwerks Bezug, gespreizte Balken als Bein-und Armpaar eines riesigen Mannes.


Der Stadtmagistrat erteilte 1759 Jacob Caprano, gegen Zahlung von drei Reichstalern, die Erlaubnis an seinem Haus das Schild “Zum Wilden Mann“ anzubringen. Seit 1749 warb er schon mit einem Weinschild für seinen Weinausschank. Neben seinem Wirtshaus führte er einen Kramladen mit Gewürzspezialitäten, in dem er 1744 zum ersten Mal im Maifeld gemahlenen Kaffee anbot.


Rekonstruktion des Gebäudes im 18. Jhd.
Haus Obertorstraße 8 etwa 18. Jhd.



Eine weitere Neuerung verdankt ihm das Maifeld, 1761 pflanzte er als erster Futterklee an. Die Familie Caprano stammte wie die seines Mitbürgers Franz Peter Canaris aus Sala Comacina am Comer See. Die Canaris und die Caprano gehörten zu den zahlreichen “welschen“ Zuwanderern, die sich im Kurfürstentum Trier nach dem Dreißigjährigen Krieg niederließen. Mit seinen Unternehmungen erwarb sich Jacob Caprano die Anerkennung der Bürgerschaft, die ihn 1767/68 zum Bürgermeister der Stadt machte. Das Haus hatte Jacob Caprano von der Tuchmacherfamilie Deisen erworben. Die Tuchmacher waren, in der ältesten und größten Zunft vereint, im 18. Jh. der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt, 1792 gab es 32 Tuchmacher.


Alter Plan der Maktstände um 1790Lageplan der Marktstände 1804, oben Kirche mit Paradies, Mitte rechts Gerichtslinde und Weinfass.



Ihre Bedeutung wird auch aus dem Standplan für die Marktbeschicker erkennbar. Die Stände sind tiefblau gezeichnet, wie die Farbe der Schürze, die die Tuchmacher trugen und als erste unter A an bevorzugtem Platz aufgestellt. Wie wichtig der Standplatz war zeigt der 1851 vor das Marktgericht gebrachte Streit des Jacob Caprano mit einem Beschicker aus Polch. Caprano hatte seinen Gewürzstand vor dem Rathaus aufgestellt, ein Vorzugsplatz, der den Gewürzhändlern nicht zukam. Das Haus “Zum Wilden Mann“, moselfränkisches Barockfachwerk auf einem Sockelgeschoss aus Bruchstein, stand in bevorzugter Lage am Markt. An der Nord-Südachse der Stadt, die den Markt querte, reihten sich bis in das 20. Jh. Häuser, die Wohnen, Herstellen und Verkaufen räumlich vereinten. Vielleicht war Jacob Caprano unternehmerisch zu waghalsig, denn er musste 1780 das Haus schuldenhalber verkaufen. Er starb, auf Almosen angewiesen, 1795.

Die Baugeschichte des Hauses über mehr als 300 Jahre ist kompliziert, wie die Bilderfolge zeigt.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 17. Jhd.
17. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 18. Jhd.
18. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 19. Jhd.
19. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 1911
1911


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 1960.
1960


Gebäudes in aktueller Zeit.
Heute



Sie finden Hilfe beim Vergleichen und Verstehen der Veränderungen unter folgendem Link: Ein historisches Haus erzählt seine Geschichte. Eine Dokumentation von Klaus Groß. Sie liegt als PDF-Version in einer Größe von etwa 2,5 MB vor (bitte überlegen Sie, ob Sie die Version mit Ihren mobilen Daten herunter laden möchten).