13. Ordt’sches Haus

Vermutlich erbaut im 14. Jh.

Auch als "Wirtz’sches Haus"
bekannt. Im 19. Jh. als Haus
für Gesellen auf der Walz, im
Volksmund "Alte Herberge".

 

Das Haus, auch Wirtz'sches Haus genannt, gehört zu den ältesten Häusern der Stadt. Es ist eines der 6 Privathäuser, die die verheerenden Stadtbrände 1689 und 1691 überstanden hatten. Von der Mitte des 16. Jh. bis in die Mitte des 18. Jh. wurde das Haus von Amtsträgern der Stadt, des Erzbischofs und auch des Kaisers in Wien bewohnt. Das Ansehen, das diese Familien in der Stadt genossen, bestätigten die Hausnamen. Im 19. Jh. lebten Handwerker in dem Haus. Nach Erzählungen wurden damals Gesellen auf der Wanderschaft aufgenommen. An diese Zeit erinnert ein anderer Name des Hauses, "Alte Herberge".


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Das Haus liegt unmittelbar längs der ehemaligen Stadtmauer.

Das Haus Ordt am Durchgang zum Wehrturm
Ordt`sches Haus am Durchgang zum Wehrturm

 

Der im Kern spätgotische Bau war ursprünglich giebelständig. 1830 wurde der Giebel durch ein Mansardendach zur Straßenseite neugestaltet. Dieses Haus ist eines der 6 Privathäuser, die die Brandschatzung durch den Marschall Bouffleur in den Jahren 1689 und 1691 überstanden hatten. Der kurfürstliche Kellner Otto Ordt kaufte 1543 dieses Haus.
Mit ihm begann eine Folge angesehehener Familien als Bewohner des Hauses.

Der Sohn des Otto, Georg Ordt, war 1571 Schöffe am Hochgericht und 1574 Bürgermeister der Stadt. Er starb 1619 als der "Ehrenfeste Georg Ordt". Noch heute erinnert ein Basaltkreuz vor der Dreifaltigkeitskapelle an ihn. Es gehörte zu den vier "Landsegnungen" vor denen bei Prozessionen halt gemacht und der Segen über Land und Leute erteilt wurde.
Das Kreuz zeigt auf einem Wappenschild einen Schweinskopf, unten ein Wappenschild mit 5 Ringen in Kreuzform mit der Jahreszahl 1595.

Das Kreuz des Georg Ordt
 Kreuz des Georg Ordt

 

Wappenzeichnung vom Kreuz des Georg Ordt
Wappenzeichnung vom Kreuz des Georg Ordt

 

 

Der Schweinskopf verweist auf die Familie Ordt und ihre Herkunft aus Wittlich, die 5 Ringe auf die Familie Phlippi, aus der die Ehefrau stammte.
Der Chronist Büchel hatte 1821 eine Zeichnung des Georg Orth als Bürgermeister angefertigt.

Portrait des Georg Ordt, Nachzeichnung 1821

 

Es zeigt ihn mit der Kette um den Hals als Zeichen seiner Amtswürde, im oberen Teil rechts das Wappen der Familie. Ein Sohn des Georg Ordt, gleichen Namens, der Kanoniker und Kustos in der Stiftskirche war, verkaufte 1626 das Haus. Die Familie Ordt ist danach in Münstermaifeld nicht mehr nachweisbar.

Seit 1644 war Hermann Wirtz Bewohner des Hauses. Auch er war als Schultheiß ein Vertreter der durch den Dienst für den Erzbischof, das Stift und die Stadt zum Patriziat zählenden Familien Münstermaifelds. Ihr Aufstieg war in der Regel mit einem Studium verbunden. Seinem Sohn Hermann begegnen wir 1656 in Speyer am kaiserlichen Kammergericht, wo er als Notar zugelassen war. Noch weiter weg führte die Kariere den Enkel Franz, der als  "Wirklicher Kaiserlicher Kämmerer" am Hof in Wien tätig war. Wegen des Ansehens dieser Familie in der Stadt wurde das Haus auch "Wirtz'sches Haus" genannt.
In der folgenden Zeit gelangte das Anwesen in das Eigentum des Notars und Schöffen Robert Dietzler. Er war seit 1717 Leiter der Stiftsschule. Mit seiner Eheschließung 1721 gab er das Amt auf. Seine Tochter Catharina heiratete 1752 den Tabakspinner und Wirt Jakob Richter und bewohnte mit ihrer Familie weiter das Haus.

Mit dem Ende des Kurfürstentums und des Stiftes endete auch die Lebensgrundlage eines Teils der führenden Familien der Stadt. Über drei Generationen vollzog sich der soziale Abstieg der Hausbewohner. 1815 schrieb Büchel über den Johannes Richter, den Enkel der Catharina Dietzler: "Treibt nichts die erste Zeit, verzehrt sein und seiner Weiber Vermögen mit lauter Trägheit und Faulheit".
Nach 1815 kam das Haus an den Maurer Josef Kern, nach ihm an den Zimmermann Michael Welling. In Erinnerungen und Erzählungen wurde von dem Ordt`schen Haus auch als "Alte Herberge" gesprochen. Das bezog sich auf wandernde Gesellen, die hier "auf der Walz" Unterkunft fanden. 

Glossar

Kammergericht

Das Reichskammergericht war seit seiner Gründung im Jahr 1495 bis 1806 das oberste Gericht des Heiligen Römischen Reichs. Es hatte die Aufgabe, ein geregeltes Streitverfahren an die Stelle von Fehden, Gewalt und Krieg zu setzen. Zuerst hatte das Gericht seinen Sitz in Frankfurt am Main. Ab 1527 war es in Speyer und nach dessen Zerstörung infolge des Pfälzischen Erbfolgekriegs von 1689 bis 1806 in Wetzlar ansässig.

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Kellner

Er war für die Verwaltung der Geld- und Naturalabgaben an den Landesherrn zuständig. 

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Kustos

Er bewahrte das Siegel und die Schlüssel des Stiftes. Darüber hinaus war er für die Logistik zuständig. Er sorgte für genügend Kerzen in der Kirche und besorgte die Hostien und den Weihrauch. Er beaufsichtigte die Glöckner und hielt die nötigen Glockenseile bereit.

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Kanoniker

Das Leitungsgremium des Stiftes war das Kapitel, die Versammlung der Kanoniker. Zahlreiche Bedingungen mussten erfüllt sein, um Vollmitglied zu werden. Die Priesterweihe gehörte nicht zu den Voraussetzungen der Aufnahme in das Kapitel. Die Amtsstellung des Kanonikers wurde Präbende oder Pfründe genannt. Die Zahl der residierenden Kanoniker schwankte zwischen 12 und 16. Nur die Mitglieder des Kapitels konnten Träger besonderer Würde und Verantwortung, wie Dekan, werden. Empfehlungen zur Aufnahme als Kanoniker kamen vom Erzbischof, Papst oder auch vom König.

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Schultheiß

Der Schultheiß vertrat die Interessen des Landesherrn vor Ort. So auch in der Stadt Münstermaifeld. Er sorgte dafür, dass die landesherrlichen Befehle umgesetzt wurden. Zu seinen Aufgaben gehörte die Leitung des Schöffenkollegiums der Stadt.

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Walz

Walzen bedeutet hier, sich fortbewegen. Es sind seit dem Spätmittelalter die Wanderjahre, die ein Geselle nachweisen musste, um Meister werden zu können. Mit dem Ende der Zünfte und mit der Industrialisierung verlor sich diese Anforderung.

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Büchel

Über das Leben des Johann Büchel V. (1754-1842) siehe Büchel-Haus. Er soll hier mit seinem Werk als Chronist vorgestellt werden. Er bekleidete die verschiedensten städtischen Ämter. So war er bestens informiert und hatte Zugriff auf heute nicht mehr vorhandene Quellen, die bis ins 16. Jh. zurückreichen. In seiner Lebensbeschreibung, die er 1828 begonnen hatte, nennt er 58 Titel seiner Handschriften. Darunter sind die für die Erforschung der Geschichte Münstermaifelds und des Maifeldes unverzichtbaren 12 Chronik Bände. Sie wurden zwischen 1811 und 1828 geschrieben. 

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