15. “Judenhaus“

26.06.1942 – 27.07.1942

Hier stand das Haus, in dem,
die letzten jüdischen Frauen
einen Monat interniert waren.

 

Vom 26.06.1942 bis zum 27.07.1942 warteten fünf jüdische Frauen im "Judenhaus" auf den Abtransport in die Vernichtungslager. Alle ihre Familienangehörigen waren schon deportiert oder geflohen. Aus ihren Häusern in der Nachbarschaft vertrieben, ohne Angehörige, mussten sie einen Monat ohne Hoffnung ausharren. Es waren dies: Bertha Kaufmann (88 J.), in Theresienstadt ermordet, Setta Diewald (78 J.), in Theresienstadt ermordet, Amalie Marx (72 J.), in Treblinka ermordet, Jannchen Wolf (86 J.), errmordet und Johanna Bender (65 J.), in Treblinka ermordet. 


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"Die letzten noch vorhandenen Judenfrauen sind jetzt in einem Haus in der Schweizstraße untergebracht worden, so dass sie kaum noch im Stadtbild auffallen".

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Ehemaliger Standort des "Judenhauses", Schweizstraße

So lesen wir in der Amtschronik von Münstermaifeld unter dem Datum 26.06.1942. Das Haus hatte der Viehhändler Karl Marx I bewohnt, der sich 1938 mit einem Teil seiner Familie in die USA retten konnte. Am 27.07.1942 finden wir dann in der Amtschronik den Eintrag: “Die letzten Juden sind heute hier ausgezogen. Sie kommen nach Theresienstadt. Damit ist unsere Heimat endlich judenfrei. Rund 200 Jahre saßen diese Plagegeister auf dem Maifeld zum Schaden unseres Volkes. Nun sind wir sie los und kein Mensch weint ihnen eine Träne nach.“
Einen Monat hatten 5 Frauen in dem “Judenhaus“ auf den Abtransport nach Theresienstadt, wie man ihnen und der Öffentlichkeit sagte, gewartet. Über Theresienstadt durfte als Vorzeigelager gesprochen werden. Die Frauen mussten, aus ihren Häusern in der Nachbarschaft vertrieben, im Ungewissen über das Schicksal ihrer deportierten oder geflohenen Angehörigen, einen Monat ohne Hoffnung ausharren.
Der Transport X/1, von Trier über Koblenz und Köln brachte am 27.07.1942 1079 Juden, zumeist alte Menschen, nach Theresienstadt. Unter ihnen waren die 5 Frauen aus dem “Judenhaus" in Münstermaifeld.

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Lage der Wohnhäuser der festgehaltenen Frauen und "des "Judenhauses" 

 

Die Vernichtungsorte
Vernichtungsorte


Auf der Deportationsliste dieses Zuges finden wir: Amalie Marx, 72 Jahre, Witwe des Viehhändlers Karl Marx II. Sie musste ihr Haus, Krimmgasse 5, nach 1940 verlassen und war einige Zeit vor ihrer Internierung im “Judenhaus“ in der Bornstraße 3, dem Haus des Moritz Diewald untergebracht. Ihr und ihrer Tochter Gerda einen Pass für Frankreich zu erhalten war 1939 gescheitert. Auch Setta Diewald, 78 Jahre alt, Witwe des Viehhändlers Samuel Diewald, musste ihr Haus, Frankenstraße 13, nach 1940 verlassen und hielt sich zusammen mit Amalie Marx in dem wohl schon leerstehenden Haus Bornstraße 3. auf. Johanna Bender, 65 Jahre alt, Witwe des Textilhändlers Rudolf Bender, hatte keine Kinder. Sie hatte ihr Haus in der Untertorstraße 11 nach 1936 aufgeben müssen und lebte vor ihrer Internierung in dem “Judenhaus“ im Haus der Familie Samuel Kaufmann, Untertorstraße 9. Im diesem Haus hielt sich zuletzt noch Samuels Mutter, Bertha Kaufmann, auf. Sie war 88 Jahre alt, Witwe des Metzgers Hermann Kaufmann. Bertha Kaufmann hatte noch 1939 vergeblich einen Ausreiseantrag zu ihrer Enkelin Nora nach Palästina gestellt. Bertha Kaufmann war die Älteste der im “Judenhaus“ inhaftierten Frauen. Für Jannchen Wolf gibt die Deportationsliste als Wohnort vor der Einweisung in das “Judenhaus“ nur Münstermaifeld an. Jannchen Wolf war 86 Jahre alt, Witwe des Metzgers Bernhard Wolf in Mertloch. Sie lebte nach dem Tode ihres Mannes im Haus ihrer Tochter Berta Kaufmann, Pilligertorstraße 10. Setta Diewald und Bertha Kaufmann überlebten die Ankunft in Theresienstadt nur wenige Tage. Der Tod von Setta Diewald wurde für den 6. August 1942 gemeldet, der von Bertha Kaufmann vom 03. August 1942. Amalie Marx und Johanna Bender wurden am 19. September 1942 von Theresienstadt nach Treblinka verlegt und dort ermordet. Das weitere Schicksal der Jannchen Wolf in Theresienstadt ist nicht bekannt.