17-2. "Zum wilden Mann"

Erbaut 1639 (?)

Wohn- und Geschäftshaus mit Handwerkerhof,
Hauseigentümer waren:
Tuchmacher, Wirt, Ölmüller, Krämer,
Tabakspinner, Drucker, Buchhändler.

Jacob Caprano warb von 1749-1780 mit dem Schild "Zum Wilden Mann" für sein Gasthaus. Nach dem Stadtbrand von 1631 begann der Wiederaufbau eines älteren Gebäudes vermutlich 1639. Von 1808 bis 1911 war das Haus im Besitz der Familie Castor, nach der es auch das Castor-Haus genannt wird.


Der Stadtmagistrat erteilte 1759 Jacob Caprano, gegen Zahlung von drei Reichstalern, die Erlaubnis an seinem Haus das Schild Zum Wilden Mann anzubringen.

Gute Gaststätten und Beherbungsbetriebe waren im 18. und 19. Jahrhundert an ihren Schildern zu erkennen. Der Wirt zeigte damit an, dass die Obrigkeit ihm nach gründlicher Prüfung die »Schildgerechtigkeit« verliehen hatte – also das Recht, Gäste zu beköstigen und zu beherbergen. 

Seit 1749 warb Caprano schon mit einem Weinschild für seinen Weinausschank. Neben seinem Wirtshaus führte er einen Kramladen mit Gewürzspezialitäten, in dem er 1744 zum ersten Mal im Maifeld gemahlenen Kaffee anbot.


Eine weitere Neuerung verdankt ihm das Maifeld, 1761 pflanzte er als erster Futterklee an. Die Familie Caprano stammte wie die seines Mitbürgers Franz Peter Canaris aus Sala Comacina am Comer See. Die Canaris und die Caprano gehörten zu den zahlreichen “welschen“ Zuwanderern, die sich im Kurfürstentum Trier nach dem Dreißigjährigen Krieg niederließen. Mit seinen Unternehmungen erwarb sich Jacob Caprano die Anerkennung der Bürgerschaft, die ihn 1767/68 zum Bürgermeister der Stadt machte. Das Haus hatte Jacob Caprano von der Tuchmacherfamilie Deisen erworben. Die Tuchmacher waren, in der ältesten und größten Zunft vereint, im 18. Jh. der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt, 1792 gab es 32 Tuchmacher.


Alter Plan der Maktstände um 1790
Lageplan der Marktstände 1806, oben Kirche mit Paradies (Südeingang), Mitte rechts Gerichtslinde und Weinfass.



Ihre Bedeutung wird auch aus dem Standplan für die Marktbeschicker erkennbar. Die Stände der Tuchmacher sind tiefblau gezeichnet, wie die Farbe der Schürze, die die Tuchmacher trugen und als erste unter A an bevorzugtem Platz aufgestellt. Wie wichtig der Standplatz war zeigt der 1851 vor das Marktgericht gebrachte Streit des Jacob Caprano mit einem Beschicker aus Polch. Caprano hatte seinen Gewürzstand vor dem Rathaus aufgestellt, ein Vorzugsplatz, der den Gewürzhändlern nicht zukam. Das Haus “Zum Wilden Mann“, moselfränkisches Barockfachwerk auf einem Sockelgeschoss aus Bruchstein, stand in bevorzugter Lage am Markt. An der Nord-Südachse der Stadt, die den Markt querte, reihten sich bis in das 20. Jh. Häuser, die Wohnen, Herstellen und Verkaufen räumlich vereinten. Vielleicht war Jacob Caprano unternehmerisch zu waghalsig, denn er musste 1780 das Haus schuldenhalber verkaufen. Er starb, auf Almosen angewiesen, 1795.

Die Baugeschichte des Hauses über mehr als 300 Jahre ist kompliziert, wie die Bilderfolge (gezeichnet von Klaus Groß) zeigt.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 17. Jhd.
17. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 18. Jhd.
18. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 19. Jhd.
19. Jhd.


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 1911
1911


Rekonstruktion des Gebäudes für die Zeit etwa 1960.
1960


Gebäudes in aktueller Zeit.
Das Haus nach der letzten Restaurierung 2003



Sie finden Hilfe beim Vergleichen und Verstehen der Veränderungen unter folgendem Link: Ein historisches Haus erzählt seine Geschichte. Eine Dokumentation von Klaus Groß. Sie liegt als PDF-Version in einer Größe von etwa 2,5 MB vor (bitte überlegen Sie, ob Sie die Version mit Ihren mobilen Daten herunter laden möchten).

Glossar

Zum Wilden Mann

Das Gasthaus des Caprano hatte seinen Namen vielleicht von einem Element des Fachwerkes, der „Wilde Mann“. Dabei handelt es sch um eine Verstrebung, wie ein Andreaskreuz, die das Bild eines Mannes mit gespreizten Armen und Beinen entstehen lässt.

 

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Standplan

Ein Bild von den Ausmaßen größerer Markttage in früheren Jahrhunderten ist durch eine Aufstellung aus dem Jahre 1806 überliefert. Nach der Marktordnung hatten folgende Verkäufer für ihre Stände feste Plätze: die Tuchmacher, Meterwaren-, Leinwand-, Bettzeug-, Tuch- und Schnürkrämer, die Rot- und Weißgerber, die Knopfmacher, Strumpfweber und Hutmacher Grobschmiede, Silberkrämer, Spezereikrämer, Blecher, Tischchenkrämer, Kappenmacher, Schuhkrämer, Seiler, Kupferkrämer, Schnallenmacher, Eisenkrämer, Nagelschmiede, Handschuhmacher, Samenkrämer, Stein- und Erdgeschirrkrämer, Flachskrämer, Bäcker und schließlich Juden und Allerleikrämer. Ferner war ein besonderer Stand vorgesehen, an dem man Bier trinken konnte.

 

 

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